Spirale der Wandlung – Spirale zum Selbst

Eine Anbindung an die eigene Natur durch die Verbindung mit den jahreszeitlichen Qualitäten menschlicher Entwicklung.

„Wolle die Wandlung, o sei für die Flamme begeistert,
drin sich ein Ding dir entzieht, das mit Verwandlung prunkt;
jener entwerfende Geist, welcher das Irdische meistert,
liebt in dem Schwung der Figur nichts wie den wendenden Punkt.

…. Wer sich als Quelle ergießt, den erkenn die Erkennung;
und sie führt ihn entzückt durch das heiter Geschaffene,
das mit Anfang oft schließt und mit dem Ende beginnt…“

Rainer Maria Rilke

In unserer Gesellschaft wird – neben dem Materiellen – der Persönlichkeit und dem Ego viel Bedeutung beigemessen. Aber für die „großen“ Fragen des Menschseins und unsere Sehnsucht nach einem seelenvollen Leben bleibt meist wenig Zeit und Raum.

Und diese Fragen wollen wieder und wieder gestellt werden, dieses Innehalten will geübt werden, damit auch nur eine kleine Chance im Alltag entsteht, dass wir unsere Gewohnheiten und Verhaltensmuster doch eines Tages ändern.

Dabei geht es nicht darum, irgendwelche Methoden oder Techniken zu erlernen und dann abzuhaken. Das ist eine Illusion, der schon viele Menschen aufgesessen sind. Ramana Maharshi hat sein ganzes Leben lang sich und seinen SchülerInnen nur eine Frage gestellt:

„Wer bist du?“

Wir kennen weitere Fragen spiritueller Traditionen, wie:
„Woher kommst du?“, „Was sind deine Fähigkeiten“, „Was ist deine Vision?“

Oft wird in diesen Überlieferungen vom „wahren Selbst“ gesprochen: Der/Die zu werden, die/der wir wirklich sind. „Wahre Selbst“-Verwirklichung, die viel tiefer geht als die Persönlichkeits- oder Egoverbesserung, die in unserem Alltag verlangt und gefördert wird: mehr, schneller, effizienter, angepasster, schöner, besser …

Wir versuchen zu entsprechen und uns entsprechend zu verändern und hinken doch nur zu oft hinterher, weil die Norm eine uns fremde ist. Wie der Esel hinter der Karotte folgen wir persönlichkeits-verbessernden Maßnahmen und sind trotzdem unglücklich, weil wir unser ‚wahres’, unser ‚höheres’ oder auch ‚tieferes’ Selbst aus den Augen verloren haben. Und damit unseren Sinn.

Was können uns Naturseminare und Jahreszeitliche Rituale in dieser Situation des 21. Jahrhunderts noch bieten?

Die äußere Natur mit ihren Jahreszeiten kann dem Menschen wie ein Spiegel sein für das Wesentliche in seinem Leben, denn:

  • die Natur ist einfach und komplex zugleich
  • die Natur ist zyklisch dynamisch
  • die Natur ist immer in Veränderung
  • loslassen und neu kreieren sind natürliche Prozesse
  • der Zyklus der Natur erinnert uns an unsere Sterblichkeit
  • wir Menschen sind ein Teil der Natur, wir sind selbst auch Natur
  • in der Natur ist die Information/der Gehalt des Vergangen im Neuen enthalten
  • wir bestehen aus Körper, Psyche, Geist, Seele und GEIST

Spiralen der Wandlung – Spirale zum Selbst

Jahreszeitliche Feste, Rituale, Seminare bringen uns nicht nur mit der entsprechenden Energie der Jahreszeit in Berührung, sie bringen uns mit der äußeren Natur, mit anderen Lebewesen unserer Erde, mit gleich gesinnten Menschen in näheren Kontakt. Wir schwingen mit einem Rhythmus, der sehr alt, sehr allgemein und doch sehr individuell gefärbt ist.

Klingt ziemlich trivial? Ja, Sinn stiftendes, stimmiges kann auch etwas Triviales an sich haben. Manchmal sind die Antworten so einfach, so nahe liegend und wir fragen uns, warum wir da nicht früher draufgekommen sind? Die Antwort war da, nur wir waren nicht da. Wir verbringen mehr und mehr Zeit weit weg von uns selbst. Wie viele Stunden verbringt der moderne Mensch in der Zwischenzeit in seiner digitalen Parallelwelt? Festgefahren in den alltäglichen Anforderungen und Ansprüchen ohne „Fleisch und Blut“? In abgeschotteten, klimatisierten Räumen, wo Temperatur und Licht immer gleich sind, als indirekte Aufforderung auch genauso gleich bleibend zu leben, zu sein?
Oder: Shopping ist zur beliebtesten Freizeitbeschäftigung geworden – wo finde ich meine Ersatzidentität, in welcher Hose, welchem Outfit, welchem neuen technischen Gerät? Weit weg von sich selbst…
Und daneben geht die scheinbar banale Entwicklung des Lebens vor sich.

Zieht man das uralte, weltweit vorhandene sog. Medizinrad der menschlichen Entwicklung zur Orientierung heran, so kann man folgende Ideal-Entwicklung (und entsprechende nicht-ideale Abweichungen) erkennen:

  • Wir werden geboren, sind Kinder. Im Medizinrad der 4 Schilde oder der 4 Jahreszeiten der menschlichen Entwicklung ist dies die Position des Südens, des Sommers, der Unschuld, des „Ich will“
  • Wir werden zu Jugendlichen. Dies entspricht dem Westen, dem Herbst im Medizinrad. Der Jugendliche trennt sich von seinem Zuhause und lernt durch alle Umbrüche, Unsicherheiten und dunklen Prüfungen hindurch zu kommen. Dort wo im Idealfall die Liebe der Eltern war, ist die Heimat der Selbst-Liebe.
  • Wir werden zu Erwachsenen. Norden, Winter, wir verlieren die Jungfräulichkeit, gebären selbst Kinder, sind Eltern, heiraten, trennen uns wieder, arbeiten, übernehmen Verantwortung, stehen ein für unsere Träume, der Ort des „Wir“.
  • Wir werden alt. Osten, Frühling, wir gehen durch Menopause und Wechseljahre, ziehen uns aus dem Erwerbsleben, aus der materiellen Verantwortung für die Gemeinschaft zurück, werden Weise, werden Greise und sterben.

Das innerste Wesen unseres Selbst hat sich seit den frühesten Tagen menschlichen Seins in keiner Weise verändert. Unsere Gene bestehen immer noch aus dem ursprünglichen Wissen um diese Zusammenhänge. Unsere menschlichen Jahreszeiten wandeln sich genauso, wie die äußeren und vergehen. Wir entspringen dieser Welt, wir erblühen, reifen, verfallen, wir sterben. Und an diesen ewigen Kreislauf können wir uns im Jahresablauf erinnern, können uns“ anbinden“. Und wir können unsere ‚Problemzonen’, unser ‚Karma’ begreifen und lösen lernen: Wo stecke ich fest? Wo staut sich die Energie der Wandlung und produziert schmerzende Geschwülste, leere Illusionsblasen, dicke Luft? Welche Ressourcen, welcher Blickwinkel könnte mich wieder in Bewegung bringen auf dem Weg zu mir, zu meinem Kern, meinem Selbst? Oder: Wo bewege ich mich rasch, aber leider im Kreis oder an der Oberfläche, immer in derselben Rille?

Eine berühmte Zen Geschichte, nacherzählt:

„Ein Schüler kommt zum Meister. Der Schüler sitzt noch kaum, schon stellt er die erste Frage. Der Meister blickt auf und fordert ihn auf, seine Teetasse füllen zu lassen. Er gießt ein, bis die Tasse übergeht – aber er gießt weiter ein. Erschrocken zieht der Schüler die Hand zurück und fragt, warum er nicht aufhöre nachzuschenken. „ Du bist genauso übervoll wie diese Tasse – und willst neues Wissen anhäufen, ohne dass noch Platz und Raum ist für den neuen Tee. Leere zuerst deine Tasse.“

Dieses immer wieder in die Natur gehen, das Innehalten, leer werden, sich neu orientieren, aber auch die Bereitschaft das Erlebte mit anderen Menschen zu teilen ist ein geduldiges Wachsen entlang einer Spirale – abwärts und nach innen aber auch nach oben und nach außen. Es ist ein Anbinden an immer währende Verwandlung, an Sterben und Gehen lassen. Im Bewusstsein, dass dadurch unsere Seele wachsen kann – sich ausbreiten kann in unserem ganzen Wesen und somit so groß werden darf, wie sie sein möchte.
Das Zyklische der Natur erinnert uns an die natürlichen Rhythmen des Lebens – von Beginn und Beenden, von Gemeinsam und Getrennt sein, von Ein- und Ausatmen.

In der Shambhala Wilderness Schule gibt es die Möglichkeit mit Jahreszeitlichen Seminaren entsprechend dem Medizinrad und den 4 Schilden seine Seele wachsen zu lassen. Als Bild dient uns die Spirale als Verbindung von Zyklischem und Wachstum!