Der Regenmacher von Kiao Chow

Die Bewohner eines chinesischen Dorfes litten unter einer großen Dürre. Der lokale Regenmacher konnte auch nichts zum Guten wenden und so schickten sie um den berühmtesten Regenmacher Chinas, der im weit entfernten Kiao Chow lebte.

Er kam im Dorf an und die Bewohner fragten ihn, welche Unterstützung er brauche? Er wolle nur einen Platz in der Wildniss, wo er alleine sein konnte und ihm manchmal etwas Essen gebracht werden sollte. Das sei alles.

Nach einigen Tagen ohne Regen wurden die Dorfbewohner unruhig und schickten eine Delegation, um zu fragen was los sei. Aber er schickte sie unverrichteter Dinge wieder zurück. Am nächsten Tag begann es zuerst zu schneien (im Sommer), dann wandelte er sich in prasselnden Regen.

Als er ins Dorf zurückkam, fragten ihn die Bewohner, was denn nun so lange gebraucht habe? Und er erklärte:

„Als ich in euren Distrikt kam, merkte ich, daß er vollkommen aus der Balance und das Tao gestört war.

Nachdem ich bei euch ankam, merkte auch ich, das mein Gleichgewicht von Yin und Yang aus den Fugen geraten war. Alles was ich tun konnte, war in die Natur, in die Wildnis zu gehen, um wieder in Einklang mit dem Tao zu kommen. Alles andere ging dann seinen natürlichen Weg.“

(von Richard Wilhelm erzählt im Psychologischen Club, Zürich; aus:
A Testament to the Wilderness, C.A.Meier,Daimon 85)