In der Wildnis wachsen…

Farah, die Katze von Claudia Pichl, schreibt in ihrem Tagebuch über heilsame Zeiten in der freien Natur

Schon als junge Katze – vielleicht schon als ganz junge Katze, daran erinnere ich mich nicht – ging ich in den Wald, wenn ich Sorgen hatte – traurig war, Liebeskummer hatte, wütend war, mit mir selbst nicht zu Rande kam…

Der Wald war einfach da. Was schon viel war, alle anderen – insbesondere mein Frauchen – waren so geschäftig oder eben selbst besorgt, abwesend irgendwie. Der Wald schien Zeit zu haben, die Bäume hörten mir zu, das Moos war kuschelig, fast liebevoll… und ich verließ nach einer halben Stunde meinen Wald versöhnter mit mit, der Katzen- und sogar der Menschenwelt.
Oder war es gar nicht der Wald, der Zeit hatte – wie kann ein Wald auch Zeit haben? Vielleicht waren es gar nicht die Bäume, die zuhörten, haben ja gar keine Ohren. Und das Moos, liebevoll? Feucht vielleicht, aber liebevoll?
Vielleicht bildete ich mir das alles nur ein. Doch fest stand, daß es wirkte, deshalb ging ich ja immer wieder hin – Balsam für meine kleine Katzenseele…

Seelenvoll erscheint sie mir noch heute, die Natur – auch wenn ich nach wie vor nicht genau weiß, ob sie eine Seele hat oder sie nur voll mit meiner Seele ist, wenn ich mich ihr zuwende…

Was heißt hier eigentlich nur’? Was will ich mehr, endlich jemand, der so ‚neutral empathisch’ (würde mein Frauchen sagen) ist, daß ich in seiner Gegenwart meine Antworten finde. „Coaching durch natürliche Präsenz!“ – klingt ja fast wie ein Seminartitel aus den Zeitschriften, die bei uns zuhause rumliegen…

Und als ich herausfand, daß ein paar Tage freiwilliger Verzicht auf mein heißgeliebtes Whiskas (Fasten nennen sie das, glaube ich) und länger alleine draußenbleiben den Prozeß der Klärung noch intensiviert, stand meiner natürlichen Selbst-Therapie nichts mehr im Wege…

Ich bin froh, daß mein Verstand es aushält, daß ich ihm die Frage nicht wirklich beantworten kann, ob sie – die Natur – jetzt ein eigenes Wesen ist mit therapeutischen Fähigkeiten ODER ob aus meinem Unterbewußtsein kleinweise Dinge nach oben kommen, wenn ich in die Natur gehe und ich mich dann abarbeite an meiner Angst vorm Alleinsein, meiner Angst davor, kein Futter mehr zu kriegen und besonders meiner Angst vor fremden Katzen…

Mein Frauchen kennt das übrigens auch. Sie macht da solche Wilderness-Seminare, wo man auch alleine und ohne Fressen ein paar Tage in die Natur geht. Sie kommt da immer ganz geklärt zurück und ist viel freundlicher zu mir. So als wäre jemand freundlicher zu ihr gewesen…

Manchmal erzählt sie allerdings auch, daß die Konfrontation mit den eigenen Schatten schon auch beängstigend sein kann da draußen alleine in der Nacht – was ich nicht so recht verstehe, weil Schatten in der Nacht……da muß schon sehr der Mond scheinen! Aber bitte! Sie meint, die Auseinandersetzung mit den eigenen Schatten sei dort draußen auch sehr ermutigend und helfe ihr dabei, wirklich reinzuwachsen in ihr Erwachsen Sein. Was soviel heißt, wie ‚daß sie sich so alt fühlt wieviel sie Falten hat’, glaube ich.

Anyway. Dieses Alleinsein in der Natur hilft uns so oder so… Und angeblich ist es besonders zu empfehlen in sogenannten „Übergangszeiten“, z.B. als mein Schnuffi letztes Jahr die Patschen streckte, aber auch bei guten Veränderungen, da hilft es wirklich, zu dieser „Mutter Natur“, wie mein Frauerl sie nennt, zu gehen und sich ihr anzuvertrauen. Wie meinem Tagebuch hier, nur besser!